Ökologisierung eines Campingplatzes
Von Nischen, Naschgarten und gemeinsamen Wirken
Es gibt diesen Moment, in dem aus einem einfachen Campingplatz ein lebendiger Raum wird: Wir legen Hand an, bauen Brücken zu Boden, Pflanzen zu Geschichten und Menschen zu einer gemeinsamen Zukunft. Es fühlt sich an wie ein Anfang, der endlich begonnen hat – mit der Übernahme von Verantwortung, der Lust am Tun und dem Glauben, dass kleine Schritte Großes bewirken können.
Wir pflanzen Bäume und Sträucher, nicht als bloße Zierde, sondern als stille Architektinnen des Geländes. Wir formen Nischen für Schatten, bieten Lebensraum für Vögel, Insekten und Kleinwild. Der Bewuchs soll den Wind bremsen und Erosion mindern. Aus Samen wird neues Leben, aus Laub wird Humus – eine wachsende Grundlage für ein gesundes Ganzes.
Mit Freude am Tun entsteht ein Naschgarten, der Nahrung, Freude und Lernort zugleich ist. Beerensträucher und Kräuter laden Gäste ein den Augenblick des Erntens zu erleben. Eine Inspirationsquelle für Frühstück und Picknick. Die Inseln aus Obst und Kräutern wirken wie kleine Ökosysteme im Miniaturformat: Schattenstauden neben sonnigen Beeten, Mulch von Schnippelresten nährt die Beete, Regenwasser dient als Lebensader, Mulch und Bewuchs schützt vor Austrocknung durch Sonne und Wind. Ziel ist ein ästhetischer, aber vor allem funktionaler Ort, der Biodiversität fördert und Begegnungen ermöglicht.
Erosion wird sichtbar, wenn der Wind über Bodenwellen Staub aufwirbelt. Wir arbeiten mit Windschutz aus Hecken und mehrstämmigen Zier- und Nutzgehölzen. Dies reduziert Trockenstress, sorgt für angenehme Mikroklimata am Zeltplatz und erleichtert das Campen auch bei rauem Wetter. Schatten spendet nicht nur Komfort, sondern unterstützt das Pflanzenleben; so schaffen sich Bäume und Sträucher über den Tag hinweg wechselnde Licht- und Temperaturzonen, die Vielfalt fördern und mit den Jahres ihr eigenes Klima.
Dieses Projekt lebt von Menschen, die gemeinsam lernen, planen, pflanzen, pflegen und feiern. Jede Aufgabe ist eine Lernreise: Wie könnte Windschutz gestaltet sein, worauf ist beim Anpflanzen und später bei einem Herbstschnitt zu achten, wie Regenwasser sammeln und verteilen, uvm.? Die Verantwortung wird geteilt, das Wissen tragen wir zusammen und mit jedem gemeinsamen Arbeitsschritt entsteht Zugehörigkeit. Die Vielfalt der Beteiligten – Gäste, Mitwirkende Vereinsmitglieder, Anwohner – bereichert das Projekt: verschiedene Blickweisen, Fähigkeiten und Kulturen verbinden sich zu einer bunteren Gesamtwelt.
Nicht weniger als ein neues Lebensgefühl. Zusätzlich zur ökologischen Vielschichtigkeit geht es genau so um Geduld, Beobachtung, ständige Anpassung und die Bereitschaft, Fehler zu akzeptieren, daraus zu lernen und Anpassungen vorzunehmen weil die Bedürfnisse der Akteure sich ebenso so ändern wie das Wetter und die Jahreszeiten. Der Campingplatz ist sowohl eine Ort der Ruhe, Sinnlichkeit, Wärme und als auch Austausch, Lernen und Mitmachen.
Nach langer Planung und Organisation endlich angefangen zu haben, fühlt sich wie der erste Sonnenstrahl nach einer nebligen Nacht an; warm, ehrlich und vielversprechend. Wir sehen heute schon, wie Gäste die Kräuter riechen, wie Kinder Beeren naschen, wie Bewohner und Besucher zusammen lachen, während das Gelände weiterwächst. Das ist kein Selbstzweck, sondern eine Lebenseinstellung: Wir gestalten mit dem Boden, nicht gegen ihn; wir hören, wie die Erde atmet, und wir hören die Stimmen der Menschen, die sich engagieren. Gemeinsam schaffen wir einen Campingplatz, der mehr ist als ein Ort zum Übernachten – ein lebendiger Ort des Lernens, der Gemeinschaft, des freudigen Handelns und zusammen Feierns.
Kepotopia e.V. im Oktober 2025 – Wir bepflanzen einen Campingplatz, Grafik im Header von Baumrausch GmbH & Co. KG by Volker Kranz
